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Samstag, 21. Oktober 2017

Chronik

Am 17. März 1919 fanden sich in der Bahnhofsrestauration mehrere junge Männer zusammen, um einen Athletik-Sportverein zu gründen. Nach einer kernigen Ansprache von Herrn Karl Aberel weis der Chronist zu berichten, schritt man zur Vereinsgründung. Aus der anschließenden Wahl ging als 1. Vorstand Julius Wund als 1. Vorstand hervor.

Bald stieg die Zahl der aktiven Sportler auf 15 Jugendliche an. Dazu kam eine Schülergruppe von etwa 20 Jungen.

Am Anfang fehlte es aber an Übungsraum und Geräten. Man musste sich mit einer kleinen Hantel mit 110 Pfund für Jugendliche und einer mit 180 Pfund für Aktive aushelfen. Diese war jedoch viel zu leicht und man kaufte ein Jahr nach Vereinsgründung eine Hantel mit 250 Pfund. Die Ringer schritten zur Selbsthilfe. Sie rupften Seegras, dörrten und sponnen es, die Landwirte spendeten Jutesäcke und so entstanden behelfsmäßige Ringermatten.

Für die Jonglier-Riege schaffte man Gewichte an.

Im Herbst 1920 feierte der Vereins sein Gründungsfest. Bis dahin konnten sich einige Sportler wie Xaver Mang und Josef Vogt bei Wettkämpfen die ersten Medaillen holen.

ASV-Bellenberg, 1920

1923 beging der Verein das Fest der Fahnenweihe. Erster Vorstand war damals Josef Zeller. Während seiner Vorstandschaft wurden zahlreiche Preise errungen, ja sogar Gaumeisterschaften im Gewichtheben und Ringen. So konnte der Verein dieser kleinen Landgemeinde 1923 sogar den KSV Stuttgart im Mannschaftskampf schlagen.

ASV-Bellenberg, Fahnenweihe, 1923

Auch eine Damenriege bestand im Verein. Ihr Leiter war Wilhelm Birzele.

Die Jahre 1925 bis 1930 zeigten eine weitere Aufwärtsentwicklung. Unter 1. Vorstand Birzele konnte der Verein einen eigenen Sportplatz beschaffen. So wurde neben der Schwerathletik auch Leichtathletik betrieben. Mehrere Jahre bestand eine Akrobatengruppe unter Leitung von Josef Nießer. Im Tauziehen konnte die Bellenberger Mannschaft bei einem Bezirkswettstreit den 1. Platz sichern.

1927 wurde auf Anregung eine Musikabteilung gegründet. Die Leitung der 10 Jahre bestehenden Kapelle übernahm Josef Mang.

Einige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg schloss sich der Verein mit dem Fußballvereinzusammen. Erster Vorstand dieser Sportvereinigung wurde Josef Kössinger.

Als nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges der sportliche Geist der ehemaligen Hochburg des Kraftsportes zu erlöschen drohte, war es abermals Karl Aberel, der mit wenigen Anhängern den Kraftsport in Bellenberg wieder zu neuem Leben erweckte.

Am 25. Juni 1949 fand in der Bahnhofsrestauration die Wiedergründung des Vereins statt. Erster Vorstand wurde Ludwig Müller, zweiter Vorstand Franz Müller, Schriftführer Franz Heinrich, Kassier Jakob Mang. Dem Verein traten 27 Mitglieder bei. Es fehlte aber ein geeigneter Übungsraum, da inzwischen in den Saal der Bahnhofsrestauration das Postbüro eingebaut wurde. Notgedrungen übte man in den ersten Monaten der Wiedergründung in einem großen Schweinestall bis sich dann die Vereinsleitung entschloss, auf dem vereinseigenen Sportplatz einen 6,5 x 6,5 großen Übungsraum zu bauen. Bellenberg entwickelte sich nun zu einer Hochburg im Gewichtheben. Schon der erste Freundschaftskampf gegen Ulm 1846 konnte 1949 gewonnen werden. 1950 und 1952 wurden Bezirksmeisterschaften im Gewichtheben gewonnen.

 

Ein erfolgreicher Tag war der 14.08.1955. Hier wurde in Bellenberg das Bezirksfest des Donau-Iller-Ringes gefeiert und nicht weniger als 10 Meistertitel und eine Mannschaftsmeisterschaft im Tauziehen blieben in unserer Gemeinde.

2. Mannschaftssieger Württembergische Gaumeisterschaft 1921) Mang Xaver, Mayer Hans, Schweigart Otto, Vogt Josef, Vogt Oskar, Vogt Ernst
Birzele 1. Vorstand, Aberel Trainer und Gründungsmitglied mit den Aktiven Vogt E., Mayer, Vogt J. Lanzedelli

Außer dem Gewichtheben war Bellenberg viele Jahre auch eine Hochburg im Rasenkraftsport. Hier wurde die Bellenberger Mannschaft 1955 sogar Bayerischer Meister. Bei den Deutschen Meisterschaften belegte Josef Ilg einen beachtlichen 3. Platz.

1956 wurde in Bellenberg ein Vergleichskampf zwischen den Auswahlmannschaften von Bayern und Württemberg durchgeführt. In der Bayernauswahl standen vier Rasenkraftsportler aus Bellenberg. Die Bayern siegten natürlich mit 40 Punkten Vorsprung.

1957 entführte die Bellenberger Mannschaft in Deggendorf bei den Bayer. Rasenkraftsport-Meisterschaften vier von fünf Titeln.

Auch im Ringen und Gewichtheben konnte sich der ASV Bellenberg sehen lassen. Vor allem junge Sportler strebten nach vorn. So konnte 1960 Sigbert Betz auf Anhieb schwäbischer und bayerischer Jugendmeister im Ringen seiner Klasse werden.

1964 machten zum ersten Mal die Gebrüder Mang von sich reden. Xaver und sein jüngerer Bruder Rudolf erreichten neben Siegen bei Schwäbischen und Bayerischen Meisterschaften in ihren Klassen den Titel Deutscher Vizemeister. Rudolf war damals erst 14 Jahre alt. Ein Jahr später gingen bereits 3 Deutsche Meistertitel durch Jungheber Rudolf Mang an den ASV Bellenberg. Rudolf Mang trug nun den Namen unseres Vereins und unserer Gemeinde ins deutsche Land und darüber hinaus.

Das Jahr 1966 brachte neben Siegen und Titeln dem Verein noch etwas sehr Erfreuliches.Im Rahmen der Schulerweiterung baute die Gemeinde eine Turnhalle. Dank dieser gemeindlichen Investition konnte der Verein von nun ab an größere sportliche Veranstaltungen und weitere Sportangebote denken.

 

Durch die neue Halle entstanden neben der bereits 1953 gegründeten Skiabteilung weitere Abteilungen: Eine Damen-Gymnastikgruppe unter Frau Erna Roth, eine Jugendgruppe unter Frau Pfister, eine Volleyballgruppe für ältere Jahrgänge unter Franz Heinrich sowie eine Tischtennis-Abteilung unter Leitung von Karl Dreher.

 

Das Jahr 1968 brachte ein weiteres Highlight in der Geschichte des ASV

Rudolf Mang erreichte einen hervorragenden 5. Platz bei den Olympischen Spielen in Mexiko. Mit 177,5 kg im Drücken, 152,5 kg im Reißen und 195 kg im Stoßen, also mit einer Dreikampfleistung von 525 kg errang er drei Juniorenweltrekorde.

Rudolf Mang bei den Olympischen Spielen 1972

Am 31.10.1968 bereitete ihm seine Heimatgemeinde einen begeisterten Empfang.

In der Folgezeit erzielte Rudolf Mang weitere Weltrekorde und Meisterschaften. Seinen krönenden Abschluss erreichte seine Karriere mit der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Mit 225 kg im Drücken, 170 kg im Reißen und 215 kg im Stoßen, also mit einer Dreikampfleistung von 610 kg wurde er nur von Wassili Alexejew aus der damaligen Sowjetunion geschlagen. Rudolf Mang wurde zum Aushängeschild der Gemeinde Bellenberg und des Vereins.

 

Recht erfolgreich war in den 70-iger Jahren eine Geher-Abteilung unter Gerhard Schöffler, deren Aktiven an Deutschen Meisterschaften teilnahmen und zahlreiche Titel erringen konnten.

 

In den folgende Jahren wurde das Breitensport-Angebot des Vereins weiter ausgebaut.

So wurde 1974 das Kinderturnen gegründet, auch meldete man in diesem Jahr erstmals eine aktive Volleyball-Mannschaft zu Punktspielen an. In den Jahren 1983 – 1988 entstanden verschiedene Turngruppen, wie Aerobic, Frauenturnen ab 50 Jahre, Seniorenturnen für Männer, sowie das Hausfrauenturnen, das immer vormittags stattfindet.

 

Rudolf Cermak rief 1990 eine Wanderabteilung ins Leben. Die Gruppe wandert jeden Monat und konnte mehrmals den Wettbewerb „der wanderfreudigste Verein Bayerns“ in ihrer Kategorie gewinnen.

 

Um der Abwanderung junger Sportler in Sportstudios zu begegnen, wurden in den 90-iger Jahren Gruppen für Trendsportarten wie Walking, Rebound-Gymnastik, Step-Gymnastik oder eine Gruppe „Fresh-Mix“ angeboten. Auch um Mitglieder, die nicht mehr aktiv am Sportbetrieb teilnehmen können, kümmert sich der Verein. Der „Seniorentreff“ organisiert Veranstaltungen und Ausflüge.

 

Die Gründung neuer Gruppen scheiterte am inzwischen erschöpften Platzangebot in der gemeindlichen Turn- und Festhalle.

 

So entschloss sich der Verein 2001 zusammen mit der Gemeinde Bellenberg, die das Vorhaben großzügig unterstützte, zum Bau einer Dreifachturnhalle. Die Mitglieder erklärten sich bereit, durch höhere Beiträge die Finanzierung mit zu tragen.

 

Am 10.07.2004 erfolgte die Einweihung der Halle durch den damaligen 1. Vorsitzenden, Rudolf Dippold, der den Verein seit 1991 leitete. Dank der optimalen Trainingsmöglichkeiten stiegen die Ringer in die Württembergische Oberliga und die Volleyballer in die Bezirksliga auf.

 

Der ASV Bellenberg hat insgesamt 839 Mitglieder, davon sind 465 Frauen und 374 Männer. Seit dem 17.03.2006 steht Wolfgang Schrapp dem Verein vor.

Rudolf Dippold wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

 

Bellenberg, im Mai 2007

Hubert Keilwerth

Schriftführer